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Tao
Im Alltag

Der Wert des Leeren

Brauchbar ist ein Gefäß nicht wegen seiner Wände, sondern wegen des Hohlraums.

Kapitel 11 argumentiert mit drei Alltagsgegenständen: Ein Rad hat dreißig Speichen, aber brauchbar wird es durch die Leere in der Nabe. Ein Gefäß wird aus Ton geformt, doch brauchbar ist der leere Raum darin. Ein Haus hat Wände, Türen und Fenster — gebraucht wird das Nichts dazwischen.

Der Schluss daraus: Das Vorhandene gibt den Besitz, das Nicht-Vorhandene gibt die Brauchbarkeit.

Worum es geht

Dieser Gedanke ist auf kaum etwas so gut übertragbar wie auf einen vollen Kalender. Termine sind das Material, aber gearbeitet wird in den Zwischenräumen — dort wird nachgedacht, dort werden Dinge fertig, dort fällt jemandem etwas ein.

Ein Kalender ohne Lücken ist wie ein Gefäß, das ganz aus Wand besteht. Sehr solide, vollkommen unbrauchbar.

Dasselbe gilt für Wohnungen, Texte, Gespräche und Gestaltung: Was weggelassen wird, trägt genauso viel wie das, was da ist.

Eine Übung für diese Woche

Zwei leere Stunden. Trag in den kommenden sieben Tagen zwei Stunden in deinen Kalender ein — als richtigen Termin, mit Titel, blockiert.

Regeln:

  • Kein Programm. Kein „endlich mal aufräumen", kein Podcast, kein Sport.
  • Kein Bildschirm.
  • Nicht verschiebbar. Behandle sie wie einen Termin mit einer anderen Person.

Die ersten zwanzig Minuten werden unangenehm. Das ist der Teil, um den es geht.

Variante für Vielschreibende: Nimm einen Text, den du geschrieben hast, und streich ein Viertel. Nicht kürzen — streichen. Lies ihn danach noch einmal.

Zum Nachdenken

  • Wann hattest du zuletzt einen unverplanten Nachmittag?
  • Welche deiner guten Ideen kam während der Arbeit — und welche beim Spazierengehen, Duschen, Warten?
  • Was in deiner Wohnung oder deinem Kalender ist Wand, und was ist Hohlraum?

Zugehörige Kapitel