Daodejing
81 Kapitel, übersetzt von Richard Wilhelm. Durchsuchbar, und über Themen erschlossen. Wilhelm schreibt „Sinn“, wo sonst „Tao“ steht — seine Wörter erklärt.
Alle 81 Kapitel
- 1Der Sinn, der sich aussprechen läßt,
- 2Wenn auf Erden alle das Schöne als schön erkennen,
- 3Die Tüchtigen nicht bevorzugen,
- 4Der Sinn ist immer strömend.
- 5Himmel und Erde sind nicht gütig.
- 6Der Geist des Tals stirbt nicht,
- 7Der Himmel ist ewig und die Erde dauernd.
- 8Höchste Güte ist wie das Wasser.
- 9Etwas festhalten wollen und dabei es überfüllen:
- 10Kannst du deine Seele bilden, daß sie das Eine umfängt,
- 11Dreißig Speichen umgeben eine Nabe:
- 12Die fünferlei Farben machen der Menschen Augen blind.
- 13Gnade ist beschämend wie ein Schreck.
- 14Man schaut nach ihm und sieht es nicht:
- 15Die vor alters tüchtig waren als Meister,
- 16Scharfe Leere bis zum Höchsten!
- 17Herrscht ein ganz Großer,
- 18Geht der große Sinn zugrunde,
- 19Tut ab die Heiligkeit, werft weg das Wissen,
- 20Zwischen »Gewiß« und »Jawohl«:
- 21Des großen Lebens Inhalt
- 22Was halb ist, wird ganz werden.
- 23Macht selten die Worte,
- 24Wer auf den Zehen steht,
- 25Es gibt ein Ding, das ist unterschiedslos vollendet.
- 26Das Gewichtige ist des Leichten Wurzel.
- 27Ein guter Wanderer läßt keine Spur zurück.
- 28Wer seine Mannheit kennt
- 29Die Welt erobern und behandeln wollen,
- 30Wer im rechten Sinn einem Menschenherrscher hilft,
- 31Waffen sind unheilvolle Geräte,
- 32Der Sinn als Ewiger ist namenlose Einfalt.
- 33Wer andre kennt, ist klug.
- 34Der große Sinn ist überströmend;
- 35Wer festhält das große Urbild,
- 36Was du zusammendrücken willst,
- 37Der Sinn ist ewig ohne Machen,
- 38Wer das Leben hochhält,
- 39Die einst das Eine erlangten:
- 40Rückkehr ist die Bewegung des Sinns.
- 41Wenn ein Weiser höchster Art vom Sinn hört,
- 42Der Sinn erzeugt die Eins.
- 43Das Allerweichste auf Erden
- 44Der Name oder die Person:
- 45Große Vollendung muß wie unzulänglich erscheinen,
- 46Wenn der Sinn herrscht auf Erden,
- 47Ohne aus der Tür zu gehen,
- 48Wer das Lernen übt, vermehrt täglich.
- 49Der Berufene hat kein eigenes Herz.
- 50Ausgehen ist Leben, eingehen ist Tod.
- 51Der Sinn erzeugt.
- 52Die Welt hat einen Anfang,
- 53Wenn ich wirklich weiß, was es heißt,
- 54Was gut gepflanzt ist, wird nicht ausgerissen.
- 55Wer festhält des Lebens Völligkeit,
- 56Der Wissende redet nicht.
- 57Zur Leitung des Staates braucht man Regierungskunst,
- 58Wessen Regierung still und unaufdringlich ist
- 59Bei der Leitung der Menschen und beim Dienst des Himmels
- 60Ein großes Land muß man leiten,
- 61Indem ein großes Reich sich stromabwärts hält,
- 62Der Sinn ist aller Dinge Heimat,
- 63Wer das Nichthandeln übt,
- 64Was noch ruhig ist, läßt sich leicht ergreifen.
- 65Die vor alters tüchtig waren
- 66Daß Ströme und Meere Könige aller Bäche sind,
- 67Alle Welt sagt, mein Sinn sei zwar groß,
- 68Wer gut zu führen weiß,
- 69Bei den Soldaten gibt es ein Wort:
- 70Meine Worte sind sehr leicht zu verstehen,
- 71Die Nichtwissenheit wissen
- 72Wenn die Leute das Schreckliche nicht fürchten,
- 73Wer Mut zeigt in Waghalsigkeiten,
- 74Wenn die Leute den Tod nicht scheuen,
- 75Daß das Volk hungert,
- 76Der Mensch, wenn er ins Leben tritt,
- 77Des Himmels Sinn, wie gleicht er dem Bogenspanner!
- 78Auf der ganzen Welt
- 79Versöhnt man großen Groll,
- 80Ein Land mag klein sein
- 81Wahre Worte sind nicht schön,