Konflikte führen wie Wasser
Nachgeben ist keine Niederlage. Wasser gewinnt, indem es ausweicht.
Das Wasserbild ist das stärkste Bild des ganzen Buches, und es taucht mehrfach auf. Kapitel 78 stellt fest: Nichts auf der Welt ist weicher als Wasser, und doch gibt es nichts, das Hartes und Starkes besser angreift. Kapitel 8 ergänzt, warum — Wasser nützt allen Dingen und streitet nicht.
Das ist keine Aufforderung zur Konfliktvermeidung. Wasser weicht aus, aber es hört nicht auf. Es gibt nach und ist trotzdem in einem Jahr noch da.
Worum es geht
In den meisten Konflikten passiert früh eine Verhärtung: Zwei Positionen stehen sich gegenüber, und ab da geht es nicht mehr um die Sache, sondern darum, wer nachgibt. Genau an dieser Stelle ist das Wasserbild praktisch — weil es einen dritten Weg zeigt, der weder Kampf noch Aufgeben ist.
Konkret heißt das: Im Formulieren nachgeben, in der Sache bleiben. Nicht auf jede Provokation reagieren. Dem Gegenüber einen Ausweg lassen, der sein Gesicht wahrt.
Eine Übung für diese Woche
Such dir einen laufenden Konflikt aus — beruflich oder privat, aber einen echten.
- Schreib in einem Satz auf, worum es sachlich geht.
- Schreib in einem zweiten Satz auf, worum es zusätzlich geht: Recht behalten? Anerkennung? Nicht schon wieder derjenige sein, der einlenkt?
- Formuliere für das nächste Gespräch einen Satz, der in Punkt 1 vollständig hart bleibt und in Punkt 2 vollständig nachgibt.
Beispielform: „Du hast recht, dass ich das zu spät angesprochen habe. An der Sache selbst ändert das nichts — wir brauchen dafür eine Lösung."
Zum Nachdenken
- In welchem Konflikt kämpfst du gerade weniger um die Sache als um die Position?
- Wo würde ein Zugeständnis in der Form dich nichts kosten?
- Wer in deinem Umfeld schafft es, nachzugeben, ohne schwach zu wirken? Was macht die Person anders?