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Tao
Im Alltag

Nichtwissen aushalten

Zu wissen, dass man nicht weiß, ist das Höchste.

Kapitel 71 ist kurz und scharf: Zu wissen, dass man nicht weiß, ist das Höchste. Nicht zu wissen und zu meinen, man wisse, ist ein Leiden.

Das ist kein Lob der Ahnungslosigkeit. Es geht um den Unterschied zwischen einer offenen und einer geschlossenen Frage — und darum, dass die meisten Fehlentscheidungen nicht aus Unwissen entstehen, sondern aus vorschnell geschlossenen Fragen.

Worum es geht

Es gibt einen Moment, in dem ein Thema von „unklar" auf „klar" umspringt. Dieser Moment kommt bei den meisten Menschen deutlich zu früh, weil Unklarheit unangenehm ist. Danach wird nur noch bestätigt statt geprüft.

Kapitel 20 beschreibt die Gegenposition mit ungewöhnlicher Offenheit — als ein Zustand, in dem der Sprechende sich unbestimmt und ungeschickt vorkommt, während alle anderen Bescheid zu wissen scheinen. Das ist bemerkenswert ehrlich für einen Text, der Weisheit zum Thema hat.

Eine Übung für diese Woche

Der Satz „Ich weiß es nicht." Sag ihn diese Woche mindestens dreimal laut, wo du ihn sonst vermieden hättest — im Meeting, im Gespräch, gegenüber Kindern.

Zusatz für Schreibende: Führe eine Liste mit drei Spalten.

| Behauptung | Woher weiß ich das? | Sicherheit | |---|---|---| | … | Selbst geprüft / gehört / angenommen | hoch / mittel / geraten |

Trag eine Woche lang alles ein, was du in Diskussionen als Tatsache vertrittst. Die Spalte „geraten" wird länger, als dir lieb ist — und genau das ist der Ertrag.

Zum Nachdenken

  • Bei welcher deiner festen Überzeugungen hast du die Grundlage nie selbst geprüft?
  • Wann hast du zuletzt öffentlich die Meinung geändert?
  • Was kostet es dich, in deinem Umfeld Unsicherheit zuzugeben — und stimmt diese Einschätzung?

Zugehörige Kapitel