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Tao
Im Alltag

Streit in der Familie

Auch ein beigelegter Streit lässt Groll zurück. Die Frage ist, wer als Erster aufhört aufzurechnen.

Kapitel 79 stellt eine Frage, die jeder kennt, der sich je versöhnt hat: Wenn man großen Groll versöhnt und es bleibt Groll übrig — wie wäre das gut? Die Antwort, die folgt, ist unbequem. Der Berufene hält sich an seine Pflicht und verlangt nichts von anderen. Wer das Leben hat, hält sich an seine Pflicht; wer es nicht hat, hält sich an sein Recht.

Kapitel 18 erklärt, warum Familien überhaupt Regeln brauchen: Werden die Verwandten uneins, dann entstehen Kindespflicht und Liebe als Forderung.

Worum es geht

Im Familienstreit geht es fast nie um den Vorfall. Es geht um die Rechnung — wer wie oft, wer zuerst, wer damals. Die Rechnung ist der eigentliche Streit, und sie lässt sich nicht gewinnen, weil beide Seiten eine führen und beide stimmen.

Kapitel 79 schlägt keinen Ausgleich vor. Es schlägt vor, die Rechnung einseitig einzustellen. Nicht, weil man unrecht hätte, sondern weil das Recht die schwächere Währung ist: Wer auf seinem Recht besteht, hat meist recht und sonst nichts.

Der Satz aus Kapitel 18 ist die Warnung dazu. Wo Nähe von selbst da ist, muss niemand Kindespflicht einfordern. Wo sie eingefordert wird, fehlt sie schon.

Eine Übung für diese Woche

Eine Woche ohne Aufrechnung. Zwei konkrete Verzichte, mehr nicht:

  • Kein Satz, der mit immer oder nie beginnt.
  • Kein Vorfall, der länger als vier Wochen zurückliegt.

Das klingt nach wenig und ist erstaunlich schwer. Wenn dir auffällt, dass dir ohne diese beiden Werkzeuge die Argumente ausgehen, ist das kein Scheitern der Übung, sondern ihr Ergebnis.

Zum Nachdenken

  • Welche Rechnung führst du, ohne sie je vorgelegt zu haben?
  • Was müsste geschehen, damit du sie einstellst — und wartest du darauf?
  • Wo forderst du Nähe ein, die sich nicht fordern lässt?

Zugehörige Kapitel