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Tao
Meditation

Taixi — Der Atem des Embryos

Den Atem so fein und langsam werden lassen, dass er fast verschwindet.

10–20 MinutenFür den Einstieg geeignet

Taixi wird meist als „embryonaler Atem" übersetzt — ein Bild für einen Atem, der so fein geworden ist, dass er kaum noch auffällt, wie der eines ungeborenen Kindes. Es geht nicht um besonders tiefes Atmen und erst recht nicht um Atemtechnik im sportlichen Sinn. Es geht um Reduktion: weniger Volumen, weniger Geräusch, weniger Anstrengung.

Der praktische Nutzen ist unmittelbar spürbar. Ein feiner, langsamer Atem beruhigt das Nervensystem innerhalb weniger Minuten.

Haltung

Sitzend oder liegend, beides ist zulässig. Liegen ist am Anfang leichter, weil der Bauch frei arbeiten kann; dafür schläft man leichter ein. Eine Hand auf dem Bauch, eine auf dem Brustbein hilft zu Beginn, die Bewegung zu unterscheiden.

Ablauf

  1. Beobachten, nicht steuern (2 Minuten). Stell zuerst nur fest, wie du gerade atmest. Hoch oder tief? Schnell oder langsam?
  2. In den Bauch verlagern. Beim Einatmen hebt sich die untere Hand, die obere bleibt möglichst ruhig. Der Bauch wölbt sich nach außen, nicht der Brustkorb nach oben.
  3. Verlängern. Lass das Ausatmen länger werden als das Einatmen — etwa im Verhältnis 1 zu 2. Zähle nicht streng mit, schätze nur.
  4. Verfeinern. Jetzt kommt der eigentliche Teil: Mach den Atem leiser. So leise, dass ein Blatt Papier vor der Nase sich kaum bewegen würde. Das Volumen nimmt ab, die Pausen werden von selbst länger.
  5. Die Pause zulassen. Nach dem Ausatmen entsteht eine kleine Stille. Zieh nicht sofort wieder Luft. Warte, bis der nächste Atemzug von selbst kommt.

Typische Stolpersteine

  • Zu viel wollen. Wer den Atem gewaltsam anhält, erreicht das Gegenteil. Taixi ist kein Luftanhalten, sondern ein Weniger-Brauchen.
  • Schwindel. Tritt fast immer durch Überatmen auf — zu tief, zu schnell. Weniger Volumen, dann verschwindet er.
  • Erwartung an die „Stille". Die Pausen kommen von selbst, wenn der Atem fein genug wird. Sie lassen sich nicht herstellen.

Wann es besonders hilft

Vor schwierigen Gesprächen, nach Bildschirmarbeit, bei Einschlafproblemen. Drei Minuten genügen oft schon für eine spürbare Veränderung.

Bezug zum Daodejing

Kapitel 10 fragt, ob man die Lebenskraft sammeln und dabei so weich werden kann wie ein Kind — das ist fast eine Beschreibung dieser Übung. Kapitel 6 spricht vom Atem, der wie etwas Fortdauerndes wirkt und dabei nie erschöpft ist: leicht gebraucht, nicht angestrengt.

Üben

Ein leiser Ton am Anfang und am Ende, dazwischen nichts. Es wird nichts gespeichert und nichts gezählt.

Zugehörige Kapitel