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Tao
Meditation

Zuowang — Sitzen im Vergessen

Nicht konzentrieren, sondern loslassen. Die älteste Sitzübung des Daoismus.

15–30 MinutenFür den Einstieg geeignet

Die meisten Meditationsformen, die man heute kennt, arbeiten mit Sammlung: Du richtest die Aufmerksamkeit auf etwas und hältst sie dort. Zuowang geht den umgekehrten Weg. Das Wort bedeutet wörtlich „sitzen und vergessen". Geübt wird nicht das Festhalten, sondern das Fallenlassen — der Vorstellungen, der Absichten, zuletzt auch der Vorstellung, jemand zu sein, der hier gerade übt.

Der Begriff stammt aus dem Zhuangzi, wo eine Figur beschreibt, wie sie nacheinander Körperbewusstsein, Wahrnehmung und Wissen ablegt, bis sie „mit dem Durchdringenden eins" wird. Das klingt weit entfernt, beschreibt aber eine sehr konkrete Bewegung: weniger tun, nicht mehr.

Haltung

Sitze aufrecht, aber ohne Anstrengung — auf einem Kissen im Schneidersitz oder auf einem Stuhl mit beiden Füßen am Boden. Die Wirbelsäule ist aufgerichtet, der Brustkorb offen, die Schultern hängen. Die Hände ruhen locker im Schoß oder auf den Oberschenkeln. Die Augen sind halb geschlossen, der Blick geht unscharf ein paar Schritte vor dir zu Boden.

Prüfe kurz: Kiefer, Zunge, Stirn, Bauch. Überall dort sitzt Spannung, die man leicht übersieht.

Ablauf

  1. Ankommen (2–3 Minuten). Atme ein paar Mal bewusst aus, länger als ein. Lass den Körper mit jedem Ausatmen ein Stück schwerer werden.
  2. Den Atem gehen lassen. Steuere ihn nicht. Beobachte ihn auch nicht besonders aufmerksam — nimm ihn nur zur Kenntnis, so wie man Regen vor dem Fenster zur Kenntnis nimmt.
  3. Gedanken nicht wegschieben. Wenn ein Gedanke kommt, greif ihn nicht auf und bekämpfe ihn auch nicht. Lass ihn liegen. Er zerfällt von selbst, wenn du ihn nicht fütterst.
  4. Absichten loslassen. Irgendwann bemerkst du die Absicht, richtig zu meditieren. Auch die darf gehen. Das ist der eigentliche Kern der Übung.
  5. Beenden. Öffne die Augen langsam, bewege die Finger, bleib noch eine halbe Minute sitzen, bevor du aufstehst.

Typische Stolpersteine

  • „Ich mache es falsch." Zuowang hat kein Ergebnis, an dem man es messen könnte. Ein Sitzen voller Gedanken ist keine misslungene Sitzung.
  • Gegen Müdigkeit ankämpfen. Wer regelmäßig einschläft, sitzt meist zu weich oder übt zur falschen Tageszeit. Früher Morgen ist für viele leichter als der späte Abend.
  • Zu lange am Anfang. Zehn Minuten täglich tragen weiter als eine Stunde am Sonntag.

Bezug zum Daodejing

Kapitel 48 beschreibt genau diese Bewegung: einen Weg, auf dem täglich etwas abnimmt statt zunimmt, bis am Ende das Nicht-Machen steht. Und Kapitel 16 nennt die Richtung — die Leere bis zum Äußersten, die Ruhe, in der sich die Dinge von selbst ordnen. Zuowang ist die praktische Seite dieser beiden Kapitel.

Üben

Ein leiser Ton am Anfang und am Ende, dazwischen nichts. Es wird nichts gespeichert und nichts gezählt.

Zugehörige Kapitel